Der Horlemann Verlag

Verlagsprofil


Im Horlemann Verlag erscheinen Übersetzungen asiatischer, afrikanischer und lateinamerikanischer Autoren, Romane und Lyrik europäischer und deutscher Autoren, Sachbücher zur Umwelt- und Entwicklungspolitik, Reisebücher sowie Materialien für Unterricht und Bildungsarbeit. Zudem gibt der Verlag auch die gesellschaftskritische Zeitschrift EXIT! heraus.

Der Verlag will gesellschaftlich relevante Themen ansprechen, uns unbekannte Kulturen in möglichst vielfältigen Aspekten vorstellen und dabei nicht zuletzt begabte, aber weniger bekannte Autoren fördern, die einer breiten Öffentlichkeit bisher vorenthalten geblieben sind.


Verlagsgeschichte


„Ich bin am 7. Dezember 1941 geboren. Es war der Tag, an dem die Japaner Pearl Harbor überfielen. Deshalb habe ich mir meinen Geburtstag immer gut merken können.“, soll der Verlagsgründer Jürgen Horlemann einmal gesagt haben. Asien war einer seiner Schwerpunkte, die er schon als Soziologie-Student setzte: An der Seite Rudi Dutschkes engagierte er sich in Sachen Vietnamkrieg im Berliner SDS (Sozialistischer Deutscher Studentenbund). Ebenfalls Ende der 1960er Jahre war Horlemann wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schriftstellers Peter Weiss, dem er Material für dessen Theaterstück „Viet Nam Diskurs“ lieferte und Diskussionspartner war. Bis heute ist sein gemeinsam mit Peter Gäng verfasstes Buch „Vietnam. Genesis eines Konflikts“ (1966) im Suhrkamp Verlag in mehreren Auflagen erschienen.
1970 gründete Horlemann gemeinsam mit Christian Semler und Peter Neitzke die KPD, die an die 1933 und erneut 1956 verbotene KPD anknüpfen wollte und zu deren Zentralkomitee er von Beginn an gehörte.

Nach zahlreichen Publikationen entschied er sich 1989 ein Gewerbe anzumelden, um in einem Verlag Texte aus der sogenannten Dritten Welt in deutscher Sprache zu veröffentlichen. 1990 erschienen die ersten Bücher, die das allgemeine Interesse an außereuropäischen Kulturen erhöhen sollten. Schnell wuchs das Programm der übersetzten Literatur aus Asien, Lateinamerika und Afrika, hinzu kamen Sachbücher zur Umwelt- und Entwicklungspolitik, Reisebücher sowie Materialien für Unterricht und Bildungsarbeit.

Nach seinem Tod 1995 übernahm seine Witwe Beate Horlemann den Verlag und führte ihn mit dem Angestellten Michael Adrian, der von der Gründung des Verlages bis Ende 2010 dabei war, fort. Während Adrian für das Layout sowie seiner Fremdsprachenkenntnisse wegen auch für den Lizenzbereich zuständig war, kümmerte sich Beate Horlemann hauptsächlich um die AutorInnen-Betreuung, das Lektorat sowie die geschäftlichen Zusammenhänge. Darüber hinaus hat sie auch zwei Romane von zimbabwischen Autoren übersetzt und bis 2007 die Auslieferung bewerkstelligt. Seitdem werden Buchhandelskunden weitestgehend von PROLIT betreut.
Aufgrund der germanistischen Ausbildung von Beate Horlemann kam es immer häufiger auch zu Publikationen deutschsprachiger Romane, Erzählungen und Lyrikbänden.

2011 übernahm der Germanist und Philosoph Tim Voß den Bereich der deutschsprachigen Literatur, den er bis Ende 2014 federführend bestimmt(e). Hier erscheinen deutschsprachige Belletristik, kulturwissenschaftliche Texte und seit Herbst 2012 auch Gedichte, die in der Reihe LYRIKPAPYRI von Mathias Jeschke herausgegeben werden. Im Sommer 2013 kam zudem der bisher eigenständig von Julietta Fix geführte Verlag FIXPOETRY dazu. Seitdem ist Fix als Herausgeberin der Reihe FIXPOETRY im Horlemann Verlag tätig. Zum Jahreswechsel 2014/2015 wird die Edition Voss eingestellt. Ausschließlich die Lyrikreihen LYRIKPAPYRI und FIXPOETRY werden im Bereich der deutschsprachigen Literatur fortgeführt.

Zum Jahreswechsel 2011/12 trat die Afrikawissenschaftlerin Anja Schwarz die Nachfolge von Beate Horlemann an. Bereits seit einem Praktikum im Jahr 2002 ist sie dem Verlag verbunden. Seitdem hat sie in unterschiedlichen Bereichen des Buchhandels, in Verlagen, Buchhandlungen und im Zwischenbuchhandel, Erfahrungen gesammelt. Als Verlegerin wird sie sich in Zukunft intensiv um die Literatur aus und über Afrika, Asien und Lateinamerika bemühen. Der Schwerpunkt soll hierbei vor allem auf Literatur und Stimmen aus dem globalen Süden liegen. Der Verlag möchte nicht nur die Fremdperspektive europäischer Schriftsteller auf andere Regionen und Kulturen zeigen, sondern vor allem einen Raum geben für eine vielfältige Binnensicht asiatischer, afrikanischer und lateinamerikanischer Autoren mit dem Ziel eines Perspektivenwechsels: Seit seiner Gründung intensiviert der Verlag stetig seine diesbezüglichen Bestrebungen, mittels Literatur die oft noch vorherrschende eurozentrische Sichtweise durch eine globale Weltsicht zu ersetzen, in der die verschiedenen Kulturen der Welt nicht in einer hierarchischen Ordnung, sondern als gleichwertig betrachtet werden.