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Narrenstück

oder Das Wundern des Dolmetschers beim Betrachten der Welt

Jan Cornelius

Jan Cornelius spricht etwas merkwürdig: Er rollt das »R«, und seine Sprachmelodie hat einen eigenartigen Singsang. Deshalb wird er bisweilen gefragt, was er denn eigentlich für ein Landsmann sei. Darauf kann er nur antworten: »Raten Sie doch mal.«
Ganz in der Tradition des Narren, den Cornelius in vielen seiner Arbeiten etwa für den Eulenspiegel oder den WDR-Hörfunk bereits gemacht hat, erzählt sein autobiographisch geprägter Roman: »Im Alter von drei Jahren war ich beim Betrachten der Erdkugel fest überzeugt, die Menschen in Australien oder Argentinien würden mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben durch die Gegend laufen, und das fand ich ganz prima. Wie gerne hätte auch ich dort gelebt!«
Dem Erzähler, der Dolmetscher wird und dem die Flucht aus Rumänien in den 1970ern gelingt, bleibt meistens nichts anderes übrig, als sich beim Betrachten der Geschehnisse um ihn herum zu wundern. Auch, nachdem er sich in Deutschland eingelebt hat und die ganze Welt bereisen kann, wünscht er sich manchmal, dass der Westen doch im Osten läge, oder in gewisser Weise umgekehrt. Lachen und Leid liegen hier nah beieinander: Bei guter Unterhaltung wird gesellschaftlicher Zwang sichtbar und all zu Menschliches unnachahmbar karikiert.

Der aberwitzigste Roman des Frühjahrs (keine Angst, eine Diktatur ist auch dabei) kommt aus Deutschland. Wie bitte? Gut, zur Hälfte stammt er aus Rumänien. Jan Cornelius, Autor und Übersetzer, ist 1977 aus dem rumänischen Banat in das Land geflohen, in das seine Vorväter einst aussiedelten. (...)
Cornelius ist ein Schüler von Ionesco und Hrabal, sogar mehr als das: von Hasek. Der war bekanntlich der Vater des Schweijk. (...)
Am Ende aber ist Cornelius´Rezept gegen vermeintliche Sackgassen und echte Diktatoren das Reiten ohne Pferd. Das Narrentum. Es wirkt in Ost wie in West.

Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau

Jan Cornelius beweist in seinem Roman „Narrenstück oder das Wundern des Dolmetschers beim betrachten der Welt“, dass es zu dem Motiv des Klagetons, das so oft von den rumäniendeutschen Schriftstellern verwendet wurde, eine wunderbare Alternative gibt: Man kann sich von der Vergangenheit auch humorvoll verabschieden, ohne dadurch de Gräuel der kommunistischen Diktatur zu verschweigen.

Cosmin Dragoste, Deutsch-Rumänische Hefte, 2/2014

Der rumänischstämmige, seit 1977 in Düsseldorf lebende Kinderbuch- und Erwachsenen-Autor, Journalist und Dolmetscher, Jahrgang 1950, liebt das Kafkaeske, Groteske und Satirische. Geprägt von seiner Kindheit und Jugend im bitterarmen totalitär-sozialistischen Rumänien der Ceaucescu-Ära, hat sich sein Blick geschärft für Falsches und Verlogenes und die seelische und wirtschaftliche Not seiner Mitmenschen. Irgendwo zwischen Memoiren, Schelmenroman und Anekdotensammlung angesiedelt, erzählt Cornelius in freier, lockerer Form aus seinem Leben als Dissident, Französischlehrer und literarisch Suchender, dem die Flucht aus dem früheren "Gefängnis Rumänien" gelang und seitdem als Weltenreisender und Heimatloser Gesellschaft, Kulturschaffen und Politik zu verstehen und ergründen versucht - mit oft bissiger Ironie, hintergründigem Wortwitz, treffenden Anspielungen und einer sprachlichen Leichtigkeit, die den schmalen Band und ungewöhnlichen Lebensrückblick zu einem breit verständlichen Lesevergnügen macht.

Jürgen Seefeldt, ekz


Jan Cornelius liest aus seinem neuen Roman im Düsseldorfer Palais Wittgenstein am 22. Juni 2013:

www.youtube.com/watch?v=iarN-4P72So&feature=youtu.be

Cornelius setzt sich an einem Tisch, als sich ein Mann zu ihm setzt und ihn mit Fragen löchert. Er kann einfach nicht verstehen, wie jemand mit einem rollenden „R“ und diesem fremdartigen Singsang Deutscher sein kann. Mit bissiger Ironie begegnet Cornelius in seinem Roman „Narrenstück“ derartigen Klischees. Anna Berger, Ulmer Kulturspiegel, 28.02.2015

 

Weitere Bücher von Jan Cornelius

Rusti: LizoancaCornelius: Jedes Gnu hat ein Tattoo
Cornelius: Narrenstück
ISBN 978-3-89502-348-4
232 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Erscheinungsjahr 2013

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